Startseite Aktuelles Mehr Banken als Pizzerias – Sorgenkind Italien

Mehr Banken als Pizzerias – Sorgenkind Italien

5 Minuten Lesezeit
0
1,077
italien_bankenkrise

Großbritannien verlässt die EU, Griechenland steht weiterhin unter enormem Druck und in der Türkei beginnt der Präsident Erdogan aktuell mit der „Säuberung“ von Justiz und Militär. Als wäre es noch nicht schlimm genug um die Europäische Union bestellt, macht nun ein weiteres Sorgenkind Probleme: Und die haben es heftig in sich.

Italien als Griechenland 2.0

Nachdem Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem sich vor kurzem genötigt gefühlt sah, zu behaupten, es gäbe aktuell keine Krise in Italien, schlagen weltweit die Alarmglocken. Wie schlimm steht es um das südeuropäische Land? Fakten zeigen, dass Italien auf Grund der dortigen Bankenstruktur kaum eine Chance hat, die Altlasten aus der letzten Finanzkrise in den Griff zu bekommen.

Aktuell liegen mehr als ein Drittel aller Faulen Kredite in der kompletten Eurozone in Italien. Faule Kredite sind Darlehen, die auf Grund mangelnder Solvenz der Kreditnehmer nicht mehr zu bedienen sind und daher von den Finanzhäusern abgeschrieben werden müssen. Eine umfassende Rettungsaktion der italienischen Banken würde schätzungsweise 40 Milliarden Euro kosten. Zum Vergleich: Das ist das 8-fache der Belastung der kompletten Flüchtlingskrise in Deutschland.

Die italienische Bankenstruktur weist jedoch auch ein schwieriges Umfeld auf: In den ländlichen Gegenden gibt es wesentlich mehr Bankfilialen als Pizzerien. Im Gegensatz zu vielen anderen Industrienationen wie Deutschland oder Frankreich, gibt es in Italien kaum große Banken – zahlreiche kleine Geldhäuser versorgen in den entlegeneren Gebieten des Landes die Bevölkerung mit Bargeld – wie die Lage in diesen Instituten ist, kann kaum jemand schätzen.

Keine BadBanks, keine Belastungen

Nachdem in Deutschland und anderen Ländern nach der schweren Finanzkrise 2008 sogenannte BadBanks eingerichtet wurden, wurde dies in Italien jahrelang verschleppt. Die BadBanks kaufen faule Kredite auf und lassen somit die restliche Bankenwirtschaft auf Pump gesunden. In Italien gibt es weder solche Institute für faule Kredite, noch Rettungsfonds, die im Falle einer ernsten Gefahr für das dortige Finanzwesen einspringen können.

Im letzten Belastungstest der europäischen Bankenaufsicht (EBA) im Jahre 2014 fielen in Italien sage und schreibe 9 (!) Banken durch. So viele gefährdete Bankhäuser gibt es in keinem anderen Land in der Eurozone. Während die griechische Politikführung auf Rettung seitens der EU hofft, bleibt die Spitze der Eurozone hart. Zu lange seien wichtige Strukturveränderungen und die Einführung effizienterer Sicherheitsmechanismen verzögert worden.

Italiens Regierung schiebt die ältere Bevölkerungsschicht des Landes vor: Die Omas und Opas würden um ihr Erspartes gebracht. Fraglich ist allerdings, ob im Falle einer Finanzspritze für Italien das dortige Guthaben nicht ohnehin durch die Inflation aufgefressen werden würde. Eines steht jedenfalls fest: Italien steht tief in der Krise. Der dortige Finanzsektor ist stark angeschlagen und ohne maßgebliche Veränderungen droht eine Krise, die gegenüber der Finanzkrise von 2008 geradezu unheimlich wirkt.

Mehr Artikel laden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

interessant

Was der Putsch in der Türkei eröffnet

Die Türkei ist seit langem bereits ein gespaltener Staat. Kurden und Türken bekämpfen sich…