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Was der Putsch in der Türkei eröffnet

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Die Türkei ist seit langem bereits ein gespaltener Staat. Kurden und Türken bekämpfen sich im Osten des Landes gegenseitig, es herrschen bürgerkriegsähnliche Zustände im Land, das eigentlich vorhatte, demnächst der EU beizutreten. Wie wirkt sich der Putschversuch auf die türkische Wirtschaft aus und welche Folgen könnte das härtere Durchgreifen des Präsidenten Erdogan für die internationalen Märkte haben? In unserem Beitrag versuchen wir, einige dieser Fragen zu klären.

Die Türkei: Wirtschaft und Export

Im Gegensatz zu Griechenland ist die Türkei, obwohl auch hier die Exporte in erster Linie Industriegüter auf niedrigem Verarbeitungsniveau sind, ein wirtschaftlich starkes Land. Unter dem aktuellen Präsidenten Erdogan konnten gerade ärmere Regionen im Osten des Landes wieder gestärkt werden, was der Gesamtbevölkerung an sich zu einem bis dahin nie da gewesenen Wohlstand verhalf. Das liegt vor allem an einer wichtigen Eigenschaft der Türkei:

Die Türkei besitzt ihre eigene Währung, die Lira. Im Gegensatz zu weiteren südländischen Staaten mit einer ähnlichen wirtschaftlichen Ausrichtung, die in der Euro Zone sind (Griechenland, Italien, Spanien, etc.) verfügt die Türkei somit über eine Währung, die genau an die Gegebenheiten und Bedürfnisse der eigenen Wirtschaftsleistung angepasst ist. Der wirtschaftliche Aufschwung im Bezug auf die Kaufkraft der Bevölkerung steigt so zwar langsamer als in Euro-Ländern, langfristig gesehen hat dieses Modell der Türkei aber eine gute Wirtschaftsleistung beschert.

In den letzten Jahren und Jahrzehnten haben immer mehr internationale Konzerne, unter anderem auch aus der Textilindustrie, die Türkei als wichtigen Standort entdeckt: Unter anderem das britische Nobel-Label Burberry fertigt viele seiner Waren in der Türkei, da das Land über eine hervorragende Anbindung an die europäische Infrastruktur besitzt und dank der Lira günstige Konditionen für ausländische Unternehmen zum Produzieren von Waren in der Türkei bietet.

Der Putschversuch – Am Rande des Abgrunds?

Auch wenn die Türkei wirtschaftlich über hervorragende Voraussetzungen verfügt, sich auch in Zukunft positiv zu entwickeln, gibt es einige Probleme im Land. Nicht nur der fast diktatorisch herrschende Präsident, sondern auch wiederholte Terroranschläge auf die Metropolen im Land sorgen für große Unruhen in der Bevölkerung. Die Staatsmedien werden fast ausschließlich von Erdogans Umfeld kontrolliert, unabhängige Berichterstattung oder eine freie Justiz gibt es de facto nicht in der Türkei.

Die Entlassung von fast 3.000 Richtern weniger als 24 Stunden nach dem gescheiterten Militärputsch zeugt von einer großen Unsicherheit: Offenbar waren in Regierungskreisen schon vorher Vorbereitungen getroffen worden, die eine mögliche Auswechslung der aktuell bestehenden Justiz umsetzen könnten. Es scheint so, dass der Militärputsch dem Despoten Erdogan genau zur rechten Zeit kommt. Die „Säuberung“, wie dieser die strengere Kontrolle von Militär und Justiz nennt, ist bereits in vollem Gange.

Die Türkei muss nun aufpassen, in welche Richtung sie sich entwickelt. Zweifelsfrei kann die Türkei auch weiterhin als starker Handelspartner für die europäischen Nachbarn und den internationalen Markt agieren – irgendwann wird dies für westliche Nationen jedoch politisch nicht mehr tragbar sein. In diesem Falle ist völlig offen, in welche Richtung die Türkei abdriften wird. Bleibt also nur zu hoffen, dass sich die Lage alsbald wieder entspannt und auch auf den Finanzmärkten wieder Ruhe einkehrt.

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